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in die 50er Jahre hinein besaßen die Betzinger ihr eigenes Naturfreibad
zwischen Ortsrand und Lumppenhof im Gewand Heckwiesen. Es handelte sich
um eine richtige Badeanstalt mit betoniertem Damm, einem eingefassten Becken,
Treppen zum Reinsteigen, und Geländer. Die Betzinger nannten
ihren Badeplatz "Strudel".
Im rechten Bild sind
noch einige bauliche Reste des Naturfreibads zu erkennen. An dieser Stelle
befand sich zwischen den Betonteilen ein Schieber - genannt "Fall"- mit
dessen Hilfe das Wasser im Strudel gestaut wurde, um ein richtiges Schwimmen
und Tauchen zu ermöglichen.
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Der Name "Strudel"
kommt wahrscheinlich daher, weil der Breitenbach kurz vor diesem Badeplatz
einige Stromschnellen bildet, die das Wasser des Breitenbachs über
die Kalksinter-Terrassen sprudeln oder "strudeln" lassen.
Für Nichtschwimmer war das Baden im Strudel nicht einmal so ungefährlich, weil der Breitenbach an dieser Stelle auch sehr tiefe Gumpen bildete, so dass es einen Bereich für Schwimmer und Nichtschwimmer gab. |
| Generationen von
Betzinger haben im "Strudel" das Schwimmen erlernt. Ich selbst habe dort
als Grundschüler, obwohl das Markwasenfreibad in Reutlingen schon
einige Jahre vorher eröffnet wurde und es mit der alten Strudel-Herrlichkeit
schon fast vorbei war, zusammen mit Schulfreunden erste Schwimmversuche
unternommen, meist mit abenteuerlichen Gerätschaften wie alten Autoreifen
und zugelöteten Büchsen als Auftriebselement.
Erst als zu Beginn der 60er Jahre das Wasser des Breitenbachs infolge der neu angelegten Mülldeponie Schinderteich immer schmutziger wurde, wurde der Badeplatz "Strudel" immer weniger genutzt. |
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Es gab sogar eine Bade-Ordnung für den Badeplatz "Strudel" und festgelegte Badezeiten, strikt nach Geschlechtern getrennt. Einen Bademeister gab es zwar nicht, dafür wurde der "Feldschütz" beauftragt, am Strudel nach dem rechten zu sehen. |
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Heute ist der "Strudel" völlig in Vergessenheit geraten, der Zugang zum alten Badeplatz überwuchert und fast nicht mehr zu finden. Wer es trotzdem schafft, findet eine idyllische, ja fast mystisch und seltsam geheimnisvoll, verwunschen anmutende Stätte vor.... |
| Diese Foto-Montage zeigt in etwa das Aussehen des Naturfreibades Strudel, als es noch intensiv genutzt wurde....... Hinten das "Stauwehr" mit Schieber (die "Fall"). Tatsächlich war der "Strudel" ein respektables Schwimmbecken, mitnichten nur eine Pfütze...... ebenso war der Breitenbach nicht immer ein harmloses Bächlein. Besonders nach heftigen Regengüssen trat der Bach Homers Skamander nicht unähnlich des öfteren gewaltig über seine Ufer. An dem Bach begleitenden Uferweg Im Rainlen kann man dies an den dort angebrachten Hochwassermarken eindrucksvoll nachvollziehen. Einmal soll der Bach sogar einen vollen Heuwagen weg- und mitgerissen haben. |
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Ein eigenartiges
Deja-Vu-Erlebnis hatte ich im Juni 2001 bei einem Kurzurlaub im Pfälzerwald.
Bei einer Radtour hatten wir uns infolge vollkommen unzureichenden
Kartenmaterials total verfahren und landeten über völlig unwegsamen
Pfaden an einer Waldlichtung. Einer Inschrift an den verbliebenen Mauerresten
zufolge wurde hier in den 30-Jahren ein Bach mittels eines kleinen Stauwehrs
und einer "Fall" zu einem Badeweiher aufgestaut. Ich hätte schwören
können, am Betzinger Strudel der 50-er Jahre zu stehen...
Irgendwo mitten im Pfälzerwald bei Dahn.Ein verlassener Badeweiher mit Stauwehr, der eine mehr als frappierende Ähnlichkeit mit dem Betzinger "Strudel" aufweist |
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Manch nackter Hintern blitzte im Betzinger Bad am Breitenbach Heute ist der Strudel mit Geröll überhäuft - Bis zum 2. Weltkrieg lebhafter Badebetrieb Wo
heute nur noch ein schmales, übelriechendes Bächlein der Echaz
entgegenrinnt, war zu Großvaters Zeiten in den Betzinger Heckwiesen
eine Stätte natürlicher Badefreuden. Nur ein kleines Wehr und
ein Geländer künden heute noch davon, wo mit abenteuerlicher
Schwimmkleidung unter drei Eichen die dörfliche Jugend, aber auch
ältere Semester, Sommerfrische genossen. Alte Betzinger erinnern sich
noch gern an jene Tage, als die Jungen zwar schon Badehosen hatten, die
Mädchen sich aber nur notdürftig mit alten Schürzen bedeckten,
so "dass manches den nackten Hintern hinaus gestreckt hat" und deshalb
nicht am "Bubenbad Strudel" baden durfte, sondern nur im "Sofa" genannten
Gumpen unterhalb des kleinen Sees oder im "Altweiber-Gumpen", der sich
in der Nähe befindet, wo die Brücke der Landesbahn und die Studentenbrücke
den Breitenbach überspannen.
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Ein Bild vom Betzinger Strudel aus den 70er Jahren: Stauwehr und Geländer sind noch erhalten, der Breitenbach jedoch durch die nahegelegene Mülldeponie Alte Burg stark verschmutzt. An ein Baden ist nicht mehr zu denken |
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Betzinger Stadträte jedoch drängten auf "ihr" Bad und man machte
sich 1908/09 daran, das Bachbett auf einer Länge von 30 m auszuheben,
das Wehr zu betonieren und Geländer und Garderobenhaken zu installieren.
An der Falle erreichte man immerhin eine Wassertiefe von 1,20 m, während
am Gumpen unterhalb der Kaskaden gar eine Tiefe von 2 m gemessen wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde jedoch dieses Loch aufgefüllt, weil
sich gefährliche Wirbel bildeten. Da aber der Breitenbach ständig
Kies und Sand mit sich führte, musste das Bad regelmäßig
gewartet werden. Bedienstete der Stadt schaufelten immer wieder das angeschwemmte
Geröll hinaus. Somit war für Jahre hinaus lustiges Treiben garantiert.
Die Lehrer zogen bei heißem Wetter mit ihren Bubenklassen hinaus,
um den Sportunterricht am Wasser abzuhalten und den Jungen das Schwimmen
beizubringen. Wer keine Schwimmreifen besaß, half sich auf eigentümliche
Weise aus: zwei Bonbonbüchsen wurden zugelötet und mit starken
Schnüren um den Leib gebunden.
Die Wassertemperatur von 19 bis 20 Grad war zwar etwas frisch, dafür aber schwamm man in reinem Wasser und Fische gab es auch zu beobachten.Forellen und Weißfische tummelten sich damals noch in Scharen und manchmal zwickte auch ein Krebs. Heute dagegen ist das Wasser biologisch tot, die Abwässer der Müllhalde "Alteburg" haben dem Breitenbach den Garaus gemacht. In der Zeit zwischen 1909 und Anfang des Zweiten Weltkrieges also Betzinger Badelust am Breitenbach. Interessant wurde die Sache für die Buben, wenn sie von "ihrem" Bad, dem "Strudel" zu den Gumpen der Mädchen schlichen. Die kleinen Mädchen bekamen von ihren Müttern meist eine alte, dreckige Schürze mit, die somit beim Baden gewaschen wurde. Die älteren dagegen banden sich hinten und vorne eine Schürze um, doch wenn sie im Wasser schwammen, hoben sich die Schürzen im Auftrieb nach oben und für die Buben hinter den Büschen gab es blanke Tatsachen zu sehen. Freilich erwischte sie manchmal der Feldschütz bei ihrem Spicken. Die einzige Badegelegenheit in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war der Strudel allerdings nicht. Wer ein Fahrrad besaß fuhr nach Kirchentellinsfurt, um sich links neben der Brücke in die Fluten zu stürzen. Andere marschierten nach Reutlingen, um bei der Firma Engel in der Echaz in einem 4x4 m großen Becken im Flußbett für 50 Pfennig so gut es ging einige Schwimmzüge zu machen. Mit dem Baden am Neckar, in der Echaz mitten in Reutlingen oder im Strudel ist es heute freilich aus. Das Schicksal des Strudels entschied allerdings nicht die zunehmende Wasserverschmutzung, sondern mangelnde Finanzkraft in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Als der angeschwemmte Kies nicht mehr weggeräumt wurde und die Außenanlagen nicht mehr gepflegt wurden, verwilderte das Betzinger Bad zusehends und ist heute völlig mit Geröll aufgefüllt. Nur noch Geländer und Wehr - der Schieber zum Stauen ist längst entfernt - künden heute noch vom damaligen lebhaften Badetreiben. |
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